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Einigkeit? Und Recht? Und Würde?

Einigkeit? Und Recht? Und Würde?

Ein Lesebuch zur 20 jährigen Geschichte der GBM herausgegeben von Christa Anders und Wolfgang Richter
ISBN 978-3-89819-363-4
320 Seiten
Art.Nr. 4363



Statt eines Vorworts

von Wolfgang Richter

"Es gibt wenige Arbeiten, sei es von Wissenschaftlern oder Akteuren, über die Herausbildung und Entwicklung der außerparlamentarischen Kräfte in Ostdeutschland im Zuge einer rigiden Vereinigungspolitik nach dem Anschluss der DDR an die BRD. Und wenn sie von manchen geschrieben werden, dann vor allem, um sich von der Vergangenheit zu distanzieren, statt aus ihr zu lernen oder um sich der Gegenwart anzuverwandeln, statt ihr zu widerstehen.
Auch ein noch so kurzer Wegweiser durch dieses Buch sein zu wollen, hieße ein umfassendes Konvolut von zwanzig Jahren als ein Kaleidoskop zu betrachten, das einem auf bekanntem Terrain überraschende, aber keineswegs vollständige Eindrücke verschafft und mehr Interesse wecken als Wissen vermitteln will, wohl wissend, dass beides gemeinsam erst den ungeschmälerten Reiz des Lesens auszumachen vermag. Man kann das Buch beliebig aufschlagen und etwas Interessantes finden, weil das Leben dieser GBM einfach vielfältig ist. „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen ..“ meinte schon Goethe. In ein paar Worten wird man wenig mehr über die Gesellschaft sagen können, als schon ihr Name verheißt. Die Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde e.V. GBM hat in zwanzig vier Meter Meter in meinem Bücherregal gefüllt. Darunter sieben Weißbücher a 512 Seiten über die Diskriminierung der Ostdeutschen und was sie dagegen tun, ein Meter Journale, „Für Recht und Würde“ bis zum anspruchsvollen und schönen ICARUS, fast ein Meter Antikriegsliteratur, darunter ein Dutzend Bücher, die wir nicht verfassten, aber in denen wir in anderen Sprachen aufgenommen wurden und auch über uns geschrieben wurde, nicht wenig davon in ukrainisch. In der Ukraine wirkt die größte Sektion des Europäischen Friedensforums, das die GBM wesentlich mit initiierte. Das dickste Buch ist ein – oder besser gesagt, – das „Lexikon der Künstler in der DDR“. Über 6000 sind es. „Spuren der Wahrheit“ oder „Wider den Zeitgeist“ heißen einige Bücher, manche mit dem Marxistischen Forum der PDS/Die Linke verfasst, andere mit Verbänden oder Netzwerken herausgegeben, z.B. der Initiative gegen Berufsverbote. Die meisten widmeten sich dem Kampf um gerechte Renten - bis heute und weiterhin. Vielleicht am stolzesten kann man auf die Tribunale über den NATO-Krieg gegen Jugoslawien sein und die beiden ihnen gewidmeten Bücher. Und, wer hätte es gedacht, wir sind eine Menschenrechtsorganisation, die drei sehr anspruchsvolle politische Karikaturenbücher herausgab. Von all dem wird hier etwas zu finden sein. Sage mir, welche Bücher Du schreibst, und ich sage Dir, wer Du bist ….
Aber die GBM ist nicht nur mehr als ihre Bücher. Sie ist vor allem ein Bündnis von Menschen, die um Menschenrecht und auch um ihr Recht kämpfen. Was ihre Würde sein soll, haben sie früh nach dem Beitritt erfahren. Bislang hatte das Bundesverfassungsgericht „Würde“ definiert als „den allgemeinen Eigenwert, der dem Menschen kraft seines Personseins zukommt“ o.ä. Mit dem Warteschleifenurteil im Frühjahr 1991 erfuhr der staunende ostdeutsche Kläger, seine Würde werde mit der Abwicklung nicht verletzt, weil er bei seiner zwangsverordneten Arbeitslosigkeit nimmer noch Arbeitslosengeld oder Arbeitslosenhilfe bekäme.
Doch auch dabei kam ich wohl nicht zum ersten Mal auf solche Gedanken. Aber mir war, als wäre ich aus einem Land, dem seine Ideale zu verkommen drohten, in ein Land gekommen, in dem Verkommenheit Ideal ist."

Preis: 19.00€
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