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Helmut Seidel: Philosophie und Wirklichkeit

Zur Herausbildung und Begründung der marxistischen Philosophie
Herausgegeben von Volker Caysa
ISBN 978-3-89819-325-2
248 Seiten
Art.Nr. 4325

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Einleitende Worte des Herausgebers
Helmut Seidel wurde Mitte der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts national und international bekannt durch einen Aufsatz, der den Titel trug »Vom praktischen und theoretischen Verhältnis der Menschen zur Wirklichkeit« und der ins Japanische, Türkische, Ungarische, Tschechische und Russische übersetzt wurde. Er gilt gemeinhin als der konzeptionelle Ansatz zu einer DDR-spezifischen Philosophie der Praxis, die, analog zur jugoslawischen Praxisphilosophie, nicht nur für einen »humanistischen Marxismus« unter Berufung auf den jungen Marx, sondern auch für eine Demokratisierung und Humanisierung des Realsozialismus eintrat.(Vgl. zu Leben und Werk: Helmut Seidel: Philosophie vernünftiger Lebenspraxis. Hrsg. von Volker Caysa, Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen 2009.)
Dieser Aufsatz darf aber nich t von Seidels Habilitation getrennt werden, denn er ist Konsequenz und systematisch e Zusammenfassung seiner bis heute unveröff entlich ten, in der DDR viel gelesenen und immer noch lesenswerten Habilitationsschrift von 1966 mit dem Titel »Philosophie und Wirklichkeit – Zur Herausbildung und Begründung der marxistisch en Philosophie«.
Der aufmerksame Leser wird bemerken, dass die Arbeit endet mit einer Schlussbemerkung zum Teil 1, an deren Ende ein zweiter Teil angekündigt wird. Nach Auskunft von Jutta Seidel ist aber dieser zweite Teil auf Grund der Querelen um Seidels theoretischen Ansatz nicht geschrieben worden. Und es finden sich auch im Nachlass Helmut Seidels keine Materialien zu diesem zweiten Teil, was nicht ausschließt, dass Helmut Seidel sich sowohl in Vorlesungen wie auch in seinen Schriften zur Entwicklung von Marx nach 1844 äußerte.
Seidel gab mit seiner Habilitationsschrift dem marxistischen Philosophieren in der DDR einen neuen systematischen Ausgangspunkt, der belebend auf das Philosophieren in der DDR wirkte und mehreren Generationen von Philosophiestudenter wesentliche Impulse für ein modernes marxistisches Philosophieren vermittelte.
Davon zeugt auch das von Hans-Martin Gerlach verfasste Vorwort zu der hier vorliegenden Edition. Dieses Vorwort von Hans-Martin
Gerlach ist einer seiner letzten Texte, denn er verstarb plötzlich im Januar dieses Jahres. Gerlach verstand sich selbstbewusst als Schüler Seidels und es war ihm eine Ehre zukünftige Generationen an dieses vergessene Erbe der DDR-Philosophie zu erinnern. Hans-Martin Gerlachs theoretisches Verdienst besteht darin, den Seidelschen humanmarxistischen Ansatz auf die Analyse des deutschen Existentialismus angewandt zu haben. Dafür stehen vor allem seine Jaspers- und Heideggerstudien, die im Anschluss an den jungen Marx der »Ökonomisch-philosophischen Manuskripte« das Verhältnis von Marxismus, Existentialismus und Humanismus zum Gegenstand hatten. Wie Seidel ein lachender Spinozist war, so war Gerlach ein heiterer Existentialist, der der marxistischen Philosophie gegen alle Orthodoxie ein neues Forschungsfeld eröffnete.
Mein Dank gilt Herrn Harko Benkert, der die Digitalisierung des Textes realisiert hat. Ein großer Dank gilt auch der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen, insbesondere deren Geschäftsführer Prof. Klaus Kinner, dass sie diesen Band in ihr Programm aufgenommen hat. Frau Professor Jutta Seidel sei herzlich gedankt, dass sie uns die Erlaubnis zur Drucklegung der Habilitationsschrift ihres verstorbenen Mannes gegeben hat.

Volker Caysa
Im Februar 2011

13.50€Preis:
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